Einblick

Personalabteilung – Motor des Wandels

Personalfragen stehen bei vielen Vorstandssitzungen weit oben auf der Agenda. Und das Top Management überlegt: Wie kann der Personalbereich die Zukunft des Unternehmens noch wirksamer mitgestalten?

03/2024

„HR verbindet alle“: Ninjo Lenz und Isabel Neitzel sind auf strategische Personalthemen spezialisiert. Bei der Managementberatung Porsche Consulting unterstützen die beiden Fachleute und ihr Team große Unternehmen im Transformationsprozess. Porsche Consulting/Andreas Laible

Selbst­ver­ständ­lich müs­sen Per­so­nal­ab­tei­lun­gen das aktu­el­le Tages­ge­schäft im Griff haben. Dazu zäh­len The­men wie Fach­kräf­te­man­gel, das Gewin­nen und Bin­den her­aus­ra­gen­der Talen­te sowie die Opti­mie­rung von Pro­zes­sen und die Inte­gra­ti­on inno­va­ti­ver Tech­no­lo­gien. Zum ande­ren müs­sen HR-Ver­ant­wort­li­che zuneh­mend Son­der­si­tua­tio­nen mana­gen und fle­xi­bel auf unvor­her­ge­se­he­ne Ereig­nis­se reagie­ren kön­nen. Dazu gehö­ren exter­ne Ein­flüs­se des Welt­ge­sche­hens eben­so wie haus­in­ter­ne Entwicklungen.

Ninjo Lenz, Partner bei Porsche Consulting: „HR muss jetzt die treibende Kraft für den Erfolg der Geschäfts- und Business-Service-Bereiche werden.“ Porsche Consulting/Andreas Laible

Influencer und Künstliche Intelligenz

„Allein das Bewäl­ti­gen des Sta­tus quo reicht in Per­so­nal­ab­tei­lun­gen nicht mehr aus“, sagt Ninjo Lenz, Part­ner bei der Manage­ment­be­ra­tung Por­sche Con­sul­ting. „Sie müs­sen auch trei­ben­de Kräf­te für den Erfolg der Geschäfts- und Busi­ness-Ser­vice-Berei­che sein.“ Das heißt: als attrak­ti­ver Arbeit­ge­ber die pas­sen­den Talen­te anzie­hen. Dabei kom­men immer häu­fi­ger, so Lenz, inno­va­ti­ve Kon­zep­te wie Cor­po­ra­te Influen­cer, indi­vi­dua­li­sier­te Bewer­ber­an­spra­chen mit­hil­fe Künst­li­cher Intel­li­genz oder Alum­ni-Emp­feh­lungs­pro­gram­me zum Einsatz.

Beson­ders in schwie­ri­gen Zei­ten, wenn in Unter­neh­men nicht alles rund läuft, zeigt sich die Bedeu­tung eines agi­len und anpas­sungs­fä­hi­gen Per­so­nal­be­reichs. Lenz: „HR soll­te in der Lage sein, fle­xi­bel auf Ver­än­de­run­gen zu reagie­ren und effek­ti­ve Maß­nah­men zu ergrei­fen, um Arbeits­zeit­mo­del­le anzu­pas­sen, Home­of­fice-Struk­tu­ren umzu­bau­en und orga­ni­sa­to­ri­sche Instru­men­te zur Bewäl­ti­gung von Kri­sen ein­zu­set­zen.“ Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che soll­ten den Employee Life­cy­cle, der die gesam­te Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit eines Mit­ar­bei­ten­den umfasst, fest im Blick haben und zum fle­xi­blen Gestal­ter der Arbeits­ver­hält­nis­se werden.

Mittagspause am Hamburger Gänsemarkt. Walk the talk: Nicht nur reden, sondern die Neuaufstellung der Personalressorts umsetzen. Das gehört zum Credo von Ninjo Lenz und Isabel Neitzel. Porsche Consulting/Andreas Laible

Geschäftssinn und Expertise

„Der stark ver­än­der­te Bedarf der gesam­ten Unter­neh­mens­or­ga­ni­sa­ti­on erfor­dert ein Neu­den­ken und eine grund­le­gen­de Umge­stal­tung des Per­so­nal­be­reichs. Das betrifft sowohl Funk­tio­nen als auch Kom­pe­ten­zen des HR-Res­sorts“, sagt Ninjo Lenz. Der Exper­te beob­ach­tet: „Dazu sind viele Unter­neh­men offen­bar noch nicht bereit oder haben Schwie­rig­kei­ten bei der Umset­zung.“ Wie der Umbau funk­tio­nie­ren kann, beschreibt Lenz‘ Kol­le­gin Isa­bel Neit­zel, Psy­cho­lo­gin und Busi­ness Coach bei Por­sche Con­sul­ting: „Zunächst muss die Per­so­nal­ab­tei­lung die eige­ne Trans­for­ma­ti­on initi­ie­ren, um fit für die Zukunft zu sein. Dies erfor­dert ein tie­fes Ver­ständ­nis der aktu­el­len und zukünf­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen sowie die Bereit­schaft, sich kon­ti­nu­ier­lich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.“ Die Schaf­fung eines Teams von Top-Mit­ar­bei­ten­den mit einem star­ken Geschäfts­sinn und einer brei­ten Exper­ti­se sei dabei von ent­schei­den­der Bedeu­tung. Das brin­ge Mit­ar­bei­ten­de in die Lage, fle­xi­bel auf neue Her­aus­for­de­run­gen zu reagie­ren und inno­va­ti­ve Lösun­gen zu entwickeln.

Eine dyna­mi­sche Per­so­nal­ab­tei­lung, die über ein Team von viel­sei­tig ein­setz­ba­ren Talen­ten ver­fügt, kann schnell und effek­tiv auf unvor­her­ge­se­he­ne Ereig­nis­se wie bei­spiels­wei­se eine Pan­de­mie reagie­ren. Gleich­zei­tig sei ein „gut eta­blier­tes Öko­sys­tem wich­tig, um neue Ideen und Per­spek­ti­ven zu inte­grie­ren“. Dies könne bei­spiels­wei­se durch die Zusam­men­ar­beit mit exter­nen Exper­ten, die Teil­nah­me an Bran­chen- oder ande­ren „Open Space“-Veranstaltungen erreicht wer­den. Zusätz­lich sei die Ent­wick­lung kla­rer Funk­ti­ons- und Rol­len­mo­del­le ent­schei­dend, um sicher­zu­stel­len, dass die Per­so­nal­ab­tei­lung über die rich­ti­gen Fähig­kei­ten und Kom­pe­ten­zen ver­fügt, um den zukünf­ti­gen Anfor­de­run­gen gerecht zu wer­den. Eines der geeig­ne­ten Instru­men­te: „Durch das Schaf­fen viel­fäl­ti­ger Kar­rie­re­pfa­de für Per­so­nal­fach­kräf­te aus ver­schie­de­nen Fach­be­rei­chen kann die Per­so­nal­ab­tei­lung sicher­stel­len, dass sie auch in Zukunft erfolg­reich sein wird.“

Isabel Neitzel, Managerin bei Porsche Consulting. „Personalabteilungen brauchen noch mehr Mut. Und vor allem selbstbewusste Gestalter“, sagt die Psychologin. Porsche Consulting/Andreas Laible

Mutige Gestalter gefragt

Nach Beob­ach­tun­gen von Por­sche Con­sul­ting sind Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che noch längst nicht in jedem Unter­neh­men in den Vor­stand oder die Geschäfts­füh­rung ein­ge­zo­gen. His­to­risch seien die Per­so­nal­ab­tei­lun­gen häu­fig als reine Mit­ar­bei­ter­ver­wal­tung ein­ge­stuft wor­den und blie­ben daher zu oft im Hin­ter­grund. „Dabei soll­ten sie dort genau­so selbst­ver­ständ­lich prä­sent sein wie der Chief Finan­cial Offi­cer“, sagt Ninjo Lenz und gibt ein Bei­spiel: „Eine stra­te­gi­sche Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dung über einen neuen Stand­ort soll­te heute von HR durch Per­so­nal- und Arbeits­markt­da­ten gestützt wer­den. Auch dafür braucht der Per­so­nal­lei­ter Sicht­bar­keit an höchs­ter Stel­le im Unter­neh­men. Die muss er sich not­falls sel­ber holen.“

Isa­bel Neit­zel arbei­tet an Kon­zep­ten und Trai­nings für fort­schritt­li­che Per­so­nal­ab­tei­lun­gen. Es gehe um ein „neues Selbst­ver­ständ­nis“, sagt die Psy­cho­lo­gin und Busi­ness Coach: „Weg von der admi­nis­tra­ti­ven Rolle hin zu einem stark antrei­ben­den Part und Kata­ly­sa­tor. Die Per­so­nal­ab­tei­lun­gen brau­chen noch mehr Mut und selbst­be­wuss­te Gestalter.“

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