Life Sciences

Nachhaltigkeit ist Kerngeschäft

Boehringer Ingelheim als forschendes Pharmaunternehmen zeigt, wie ein global tätiger Konzern das Thema Nachhaltigkeit mit viel Engagement in einer lebendigen Unternehmenskultur verankern kann – und zwar in allen Abteilungen und bei allen 53.000 Mitarbeitenden.

06/2023

Zum Team von Vice President Lars Murawski (rechts) gehören bei Boehringer Ingelheim auch Annette Eckes (Senior Manager Circular Economy) und Ingo Weiss (Head of Global Environment & Sustainability Management) sowie rund 350 weitere Mitarbeitende im Bereich EHS (Environment, Health, Safety). Porsche Consulting/Marco Prosch

Große Fah­nen wehen impo­sant über dem Haupt­ein­gang von Boeh­rin­ger Ingel­heim im Land­kreis Mainz-Bin­gen, ganz im Wes­ten Deutsch­lands. Sie tra­gen das Logo der welt­be­kann­ten Firma. Dane­ben würde gut das Wort „Nach­hal­tig­keit“ pas­sen. Denn kaum ein Unter­neh­men in Deutsch­land setzt so tief­grei­fend dar­auf wie die­ser Kon­zern, der sei­nen Stamm­sitz unweit des Rhein-Stroms und der Wein­ber­ge von Rhein­land-Pfalz und Hes­sen hat. Anschau­li­che Bei­spie­le zei­gen das Enga­ge­ment: Ende 2023 geht in Ingel­heim ein neues Bio­mas­se­heiz­kraft­werk in Betrieb, das den Stand­ort zu 80 Pro­zent mit nach­hal­ti­gem Strom ver­sor­gen und den CO2-Aus­stoß ver­rin­gern wird. Als Ener­gie­trä­ger dient Alt­holz – Abfall, der nicht ander­wei­tig ver­wer­tet wer­den kann. Lars Muraw­ski, Vice Pre­si­dent für Umwelt, Gesund­heit, Sicher­heit und Nach­hal­tig­keit, nennt das Pro­jekt einen „Quan­ten­sprung“.

Valentin Koch ist bei Boehringer Ingelheim Leiter der Wirtschaftsbetriebe Deutschland. Die Initiative „Food & Health“ zeichnete das innovative Mitarbeiterrestaurant mehrfach als „Beste Kantine Deutschlands" aus. Boehringer Ingelheim
Speisen aus dem Unternehmens-Restaurant können mitgenommen werden – in praktischem Mehrweggeschirr. Porsche Consulting/Marco Prosch
Auf Monitoren am Restaurant-Buffet erfahren die Mitarbeitenden von Boehringer Ingelheim täglich, welches Mittagsmenü besonders umweltfreundlich ist. Porsche Consulting/Marco Prosch
Wie hoch der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) bei der Erzeugung ausgewählter Grundnahrungsmittel ist, wird im Personalrestaurant auf Tafeln deutlich gemacht. Porsche Consulting/Marco Prosch

Umweltschutz lässt sich schmecken

Schon seit gerau­mer Zeit gibt es in den Per­so­nal­re­stau­rants des 1885 von Albert Boeh­rin­ger gegrün­de­ten Unter­neh­mens kein Ein­weg-Kunst­stoff­ge­schirr mehr. Das Fleisch stammt aus art­ge­rech­ter Hal­tung. Und allein in der haus­ei­ge­nen Gas­tro­no­mie für Mit­ar­bei­ten­de wer­den 20 Pro­zent der ursprüng­li­chen CO2-Emis­sio­nen ver­mie­den. Dafür wurde sie nicht nur von der Initia­ti­ve „Food & Health“ als „Beste Kan­ti­ne Deutsch­lands“ aus­ge­zeich­net, son­dern erhielt auch erst­mals das Zer­ti­fi­kat „Green­Can­teen“. Und schließ­lich glänzt das Phar­ma­un­ter­neh­men auch durch nach­hal­ti­ge Gestal­tung von Kon­fe­ren­zen und Mee­tings. Das Kon­zept „Green Mee­tings“ beginnt mit der Anrei­se der Teil­neh­men­den vor­zugs­wei­se mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln und der Aus­wahl des Ver­an­stal­tungs­or­tes, der auf Ener­gie­ef­fi­zi­enz und den scho­nen­den Umgang mit Tagungs­ma­te­ria­li­en ach­tet. Auch bei Kon­gres­sen oder Aus­stel­lun­gen wurde schon „grün“ gedacht und gehan­delt – vom Mes­se­bau mit nach­hal­ti­gen Mate­ria­li­en über die Ver­mei­dung von Ein­weg­ver­pa­ckun­gen bis zum Ver­zicht auf Werbegeschenke.

Boeh­rin­ger Ingel­heim ist der erste Phar­ma­kon­zern, der vom deut­schen Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um in den Kreis der Kli­ma­schutz-Unter­neh­men auf­ge­nom­men wurde. Zwei­fels­frei zu Recht, denn er arbei­tet seit Jah­ren daran, Nach­hal­tig­keit auf allen betrieb­li­chen Ebe­nen zu ver­an­kern. Dazu gehö­ren zum Bei­spiel die kon­ti­nu­ier­li­che Wei­ter­ent­wick­lung ener­gie­ef­fi­zi­en­ter Gebäu­de­tech­nik mit nach­hal­ti­ger und intel­li­gent gesteu­er­ter Kli­ma­ti­sie­rung, das Beschaf­fen und Erzeu­gen von Grün­strom, der acht­sa­me Umgang mit Was­ser, die Pla­nung einer schritt­wei­sen Umstel­lung des Fuhr­parks auf Elek­tro­lie­fer­fahr­zeu­ge und eine intel­li­gen­te „grüne“ Logis­tik. Die ist ver­bun­den mit immer ehr­gei­zi­ge­ren Ziel­set­zun­gen für das Redu­zie­ren der Anfahrts­kilo­me­ter, die Lie­fe­ran­ten des Kon­zerns zurücklegen.

Die Liste der wei­te­ren Akti­vi­tä­ten zur ste­ti­gen Ver­bes­se­rung der Nach­hal­tig­keit ist lang. Die Inves­ti­tio­nen in die­ses Thema gehen in die hun­dert Mil­lio­nen Euro. Eine wich­ti­ge Säule ist das glo­ba­le Pro­gramm „More Green“, das Netz­werk für öko­lo­gi­sche Nach­hal­tig­keit von Boeh­rin­ger Ingel­heim. „More Green“ umfasst eine Viel­zahl von Akti­vi­tä­ten, die auf den Schutz des Pla­ne­ten, sei­ner Res­sour­cen und Lebe­we­sen abzie­len. Ein beson­de­rer Fokus liegt dar­auf, bis zum Jahr 2030 CO2-neu­tral in den Unter­neh­mens­ab­läu­fen zu wer­den und die Emis­sio­nen in der Lie­fer­ket­te zu redu­zie­ren, die Kreis­lauf­wirt­schaft zu ver­bes­sern und den soge­nann­ten Was­ser­fuß­ab­druck zu redu­zie­ren. Das gilt für alle Standorte.

Wich­tig dabei: Das Pro­gramm „Sus­tainable Deve­lo­p­ment – For Gene­ra­ti­ons“ ist kei­nes­wegs eine späte Ant­wort auf den drin­gen­den Ruf nach mehr Umwelt­schutz und Ver­ant­wor­tung. Ganz im Gegen­teil: Boeh­rin­ger Ingel­heim kann nach­wei­sen, dass sich der Kon­zern seit dem Grün­dungs­jahr 1885 in sei­nem Han­deln kon­ti­nu­ier­lich an Nach­hal­tig­keit und der Scho­nung von Res­sour­cen orientiert.

53.000 Menschen – ein gemeinsames Ziel

„Wir beteiligen uns daran, die Welt zu einem besseren Ort für heutige und zukünftige Generationen zu machen“, sagt Lars Murawski, Vice President für Umwelt, Gesundheit, Sicherheit und Nachhaltigkeit bei Boehringer Ingelheim. Porsche Consulting/Marco Prosch

„Wir betei­li­gen uns daran, die Welt zu einem bes­se­ren Ort für heu­ti­ge und zukünf­ti­ge Gene­ra­tio­nen zu machen und idea­le Vor­aus­set­zun­gen für einen gesun­den Pla­ne­ten zu schaf­fen“, sagt Lars Muraw­ski. Das klingt wie ein Ideal. Es ist mehr: Denn die­ser Vor­satz wird deut­lich sicht­bar im All­tag des Kon­zerns gelebt, der rund 53.000 Men­schen welt­weit beschäf­tigt. „Als for­schen­des Phar­ma­un­ter­neh­men sind der Umwelt­schutz und nach­hal­ti­ges Han­deln von beson­de­rer Bedeu­tung, weil es einen direk­ten Zusam­men­hang zwi­schen unse­rem Kern­ge­schäft und dem Kli­ma­schutz gibt“, betont Vice Pre­si­dent Muraw­ski. „Die Gesund­heit von Men­schen und Tie­ren zu ver­bes­sern, kann nur mit einer gesun­den Umwelt gelin­gen – ein gesün­de­rer Pla­net bedeu­tet gesün­de­re Men­schen und Tiere.“

Hier kommt die Kür vor der Pflicht

Neben der gro­ßen Moti­va­ti­on, die direkt aus dem Unter­neh­men kommt, trei­ben auch die stei­gen­den regu­la­to­ri­schen Anfor­de­run­gen an Phar­ma­un­ter­neh­men die mehr als 350 Mit­ar­bei­ten­den von Boeh­rin­ger Ingel­heim im Bereich EHS (Envi­ron­ment, Health, Safe­ty) an. Das wach­sen­de Inter­es­se von Regie­run­gen und inter­na­tio­na­len Insti­tu­tio­nen an der Ver­bes­se­rung der Nach­hal­tig­keit führt zu immer neuen Geset­zen, Vor­schrif­ten sowie Pflich­ten zur umfang­rei­chen Bericht­erstat­tung. In den kom­men­den Jah­ren wer­den Steu­ern und Abga­ben für die Bran­che vor­aus­sicht­lich wei­ter stei­gen. Und Beschrän­kun­gen bei der Pro­dukt­an­wen­dung könn­ten zuneh­men. „Wir ver­su­chen immer vor der Welle zu sein“, unter­streicht Muraw­ski das Bestre­ben des Unter­neh­mens, mög­lichst früh­zei­tig und unab­hän­gig von staat­li­chen Auf­la­gen nach­hal­tig zu agieren.

Das bestä­tigt Dr. Tim Derey­mae­ker, Asso­cia­te Part­ner ESG & Sus­taina­bi­li­ty bei Por­sche Con­sul­ting: „Boeh­rin­ger Ingel­heim ist auf die­sem Feld ein star­kes Vor­bild. Jedes Unter­neh­men soll­te die Risi­ken mini­mie­ren, die aus den stei­gen­den EHS-Anfor­de­run­gen erwach­sen, um nach­hal­ti­ge Werte fürs Unter­neh­men, für die Gesell­schaft und Umwelt zu schaf­fen. Und: Um künf­ti­ge Kos­ten zu redu­zie­ren. Nach­hal­tig­keit ist in allen Indus­trien zu einer ent­schei­den­den Her­aus­for­de­rung gewor­den – stra­te­gisch und ope­ra­tiv. Ich befürch­te, Unter­neh­men, die nicht nach­hal­tig agie­ren, kön­nen über kurz oder lang kaum überleben.“

Boeh­rin­ger Ingel­heim ist das bewusst. „Nach­hal­tig­keit gehört zu unse­rer Unter­neh­mens­kul­tur“, sagt Lars Muraw­ski, „wir wol­len unse­ren Impact so klein wie mög­lich hal­ten. Das gilt für die Ent­wick­lung und Her­stel­lung unse­rer Pro­duk­te eben­so wie für unse­ren beruf­li­chen All­tag an allen Stand­or­ten.“ Ihm und sei­nem Team, zu dem auch Annet­te Eckes, Seni­or Mana­ger Cir­cu­lar Eco­no­my in der Kon­zern­zen­tra­le, und Ingo Weiss, Head of Glo­bal Envi­ron­ment & Sus­taina­bi­li­ty Manage­ment, gehö­ren, ist es wich­tig, die Mis­si­on zu unter­füt­tern, „unse­re Ideen auch zu leben“. Ein Erfolgs­re­zept sei, Inno­va­tio­nen für mehr Nach­hal­tig­keit nicht nur top-down, son­dern auch bot­tom-up zu för­dern: „Die Mit­ar­bei­ten­den an allen Stand­or­ten sol­len und kön­nen Ideen­ge­ber und Trei­ber neuer Ent­wick­lun­gen sein. Dafür ist Durch­gän­gig­keit und Trans­pa­renz not­wen­dig, für die wir in Ingel­heim als Zen­tra­le des glo­ba­len EHS-Netz­werks sor­gen.“ Das funk­tio­niert. „Es ist erstaun­lich, wel­che Power in unse­ren Mit­ar­bei­ten­den steckt“, lobt Murawski.

Porsche Consulting unterstützt Nachhaltigkeit

Dr. Tim Dereymaeker ist Associate Partner ESG & Sustainability bei Porsche ConsultingPorsche Consulting
Seit Anfang 2021 unterstützt ein interdisziplinäres Team von Porsche Consulting Boehringer Ingelheim auf dem Weg zur Nachhaltigkeit. Die Anfangsphase der Zusammenarbeit wurde für Analysen und Bestandsaufnahmen genutzt, um den Status quo konzernweit transparent zu machen. Wie hoch sind die CO2-Emissionen des Unternehmens? Wie viel Wasser wird verbraucht? Wo entstehen die größten Abfallmengen? Nach sechs- bis achtwöchiger Projektarbeit folgten Vorschläge für einen Maßnahmenkatalog, der zur Entscheidung vorgelegt wurde. „Zu solchen Projekten gehört bei uns immer auch die Berechnung des Business-Case“, sagt Dr. Tim Dereymaeker, Nachhaltigkeitsexperte bei der Managementberatung Porsche Consulting. Boehringer Ingelheim hat sich beim Thema Nachhaltigkeit aus mehreren Gründen für Porsche Consulting entschieden. Neben der langen erfolgreichen Klientenbeziehung auf anderen Feldern, etwa dem Qualitätsmanagement, gehören dazu die „Erfahrungen mit Transformationen im EHS-Bereich in anderen Unternehmen und Branchen“, so Vice President Lars Murawski. „Wir sind überzeugt, dass wir aus der vergleichenden Analyse von Prozessen und Ergebnissen viel lernen können.“ Stichwort: Benchmarking. „Die Sicht von außen, die externe Berater haben, bringt uns immer weiter.“ Auf ein gutes Zusammenspiel komme es vor allem an, so Dr. Tim Dereymaeker: „Ohne die Einbeziehung aller Mitarbeitenden eines Unternehmens laufen selbst die bestgemeinten Konzepte in der Praxis ins Leere.“ Porsche Consulting arbeite deshalb nach dem Credo: „Wir nehmen alle mit – von Mitarbeitenden an der operativen Basis bis hinauf zu den Top-Entscheidern im Vorstand.“ Für die Umsetzung wurden auf Empfehlung der Managementberater überall bei Boehringer Ingelheim „Botschafter“ eingesetzt, die als Multiplikatoren die Menschen im Großunternehmen fürs Mitmachen aus Überzeugung gewinnen. „Mit dieser Maßnahme und weiteren haben wir es geschafft, Tempo in die Entwicklung zu bringen“, resümiert Dereymaeker. Zu den Plänen für die nahe Zukunft gehört der Ausbau des Projekts Green Fleet ebenso wie die Optimierung der externen Berichterstattung, beispielsweise das ESG-Reporting mit detaillierten Kennzahlen. Dereymaeker: „Nachhaltiges Agieren intern und extern rechnet sich. Es stärkt die Reputation bei Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitenden, Regierungen, Institutionen und anderen Stakeholdern – Partnern, von denen der langfristige Erfolg eines Unternehmens abhängt.“
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