Mobilität

Trümpfe auf
der Hand

Oliver Blume und Eberhard Weiblen im Doppelinterview.

06/2024

Volkswagen- und Porsche-Vorstandschef Oliver Blume (links) und Eberhard Weiblen, CEO der Managementberatung Porsche Consulting, im Gespräch mit dem Porsche Consulting Magazin: über Optimismus, Zukunftschancen und eine gute Work-Life-Balance.Porsche Consulting/Porsche AG

Herr Blume, ist ein guter Manager eher ein Optimist oder ein Pessimist?

Blume: Ganz klar Opti­mist. Ich selbst bin von Natur aus ein opti­mis­ti­scher Mensch. Als Mana­ger denke ich immer in Chan­cen. Ich will auf Erfol­ge auf­bau­en. Und aus Nie­der­la­gen ler­nen. Ent­schei­dend ist es, den Mut zu haben, ent­schlos­sen das Rich­ti­ge zu tun. Und ande­re dafür zu begeis­tern. Autos bauen ist Mann­schafts­sport. Und Erfolg ist Team­work. Wenn alle zusam­men­hal­ten und für ein Ziel kämp­fen, kann man gemein­sam Berge ver­set­zen. Gleich­zei­tig gilt es, die Geschäfts­la­ge kon­ti­nu­ier­lich objek­tiv und rea­lis­tisch ein­zu­ord­nen, um die rich­ti­gen Schlüs­se abzuleiten.

Das hört sich nach der Führung eines Sportteams an – das müssen Sie uns erklären …

Blume: Die Ana­lo­gie passt gut. Erfolg­rei­che Mann­schaf­ten gewin­nen mit Team­geist, mit Fair­ness, mit Lei­den­schaft. Das ist im Sport der Fall und das ist in erfolg­rei­chen Unter­neh­men ganz genau­so. Es geht darum, die Extramei­le zu gehen. Um jeden Meter zu kämp­fen. Auch für alle Mit­glie­der im Team.

Weiblen: Gera­de in her­aus­for­dern­den Zei­ten hat man als Mana­ger die Ver­pflich­tung, opti­mis­tisch zu sein. Wir sind „Füh­rungs­kräf­te“. Wie ein guter Berg­füh­rer sind wir dafür ver­ant­wort­lich, dass wir mit dem Team den Gip­fel errei­chen. Und das gelingt nur, wenn man selbst davon über­zeugt ist, auf dem rich­ti­gen Weg zu sein und die gesteck­ten Ziele errei­chen zu kön­nen. Es gibt Unter­neh­mer, die jam­mern viel. Aber Jam­mern hat noch kei­nen Kun­den gewon­nen. Man muss nega­ti­ve Ent­wick­lun­gen offen anspre­chen, kein unan­ge­neh­mes Thema lie­gen las­sen. Aber man darf nicht lamen­tie­ren, son­dern muss die Dinge anpa­cken. In Zei­ten wie die­sen braucht man Geschwin­dig­keit, muss im rich­ti­gen Moment Tempo machen kön­nen. Mir gefällt Dein Ver­gleich mit einer Sport­mann­schaft, Oli­ver: Wenn der Geg­ner im Fuß­ball antritt, muss man mit­sprin­ten. Das gilt auf dem Fuß­ball­feld wie in Unternehmen.

Ist es so einfach? Wer an den Erfolg glaubt, hat ihn auch?

Blume: Zumin­dest gilt: Wer an den Erfolg glaubt, hat die große Chan­ce, ihn zu errei­chen. Erfolg ist plan­bar. Das habe ich in mei­ner Zeit als Vor­stands­vor­sit­zen­der der Por­sche AG immer wie­der erlebt. Wir sind Stra­te­gen und Umset­zer. Rück­schlä­ge blei­ben nie aus, aber man darf sich nicht davon beir­ren las­sen. Jeder Mensch macht Feh­ler. Es ist wich­tig, dar­aus zu ler­nen, zu wach­sen und sich zu ver­bes­sern. Des­halb sehe ich selbst in Feh­lern Chancen.

Weiblen: Opti­mis­mus ist mehr als nur die Hoff­nung, dass es schon gut gehen wird. Opti­mis­mus grün­det immer auch auf dem eige­nen Kön­nen, dar­auf, dass man sei­nen Fähig­kei­ten ver­traut. Erfah­run­gen, aus denen man gelernt hat, sind dabei ein wesent­li­cher Baustein.

Haben Sie ein Beispiel für uns?

Weiblen: Ich habe als ganz jun­ger Bera­ter mal bei einem Fahr­zeug­her­stel­ler in Spa­ni­en ein Pro­jekt gemacht, bei dem es große Pro­ble­me in der Pro­duk­ti­on gab. Die Füh­rungs­kräf­te vor Ort waren über­zeugt, es laufe alles bes­tens und man brau­che nichts zu ver­än­dern. Ich hatte aber am Abend vor­her die Pro­blem­be­rei­che im Werk gefilmt und konn­te nun der gesam­ten Mann­schaft – es waren nur Män­ner – zei­gen, dass das nicht stimm­te. Ich gebe zu: Das war etwas bes­ser­wis­se­risch. Und diese Bloß­stel­lung kam bei den stol­zen Spa­ni­ern natür­lich nicht gut an. Und das wäre sie ver­mut­lich auch in kei­nem ande­ren Land. Den Feh­ler, so auf­zu­tre­ten, habe ich nie wie­der gemacht.

„Die Zeiten einsamer Management-Entscheidungen sind vorbei. Nur wenn das Team an der Spitze des Unternehmens zusammenarbeitet und füreinander einsteht, kann man die immer komplexer werdenden Aufgaben lösen und erfolgreich sein“, sagt Eberhard Weiblen, CEO von Porsche Consulting.Porsche Consulting/Florian Generotzky

Und was machen Sie, wenn die Probleme größer sind als ein kulturelles Missverständnis?

Weiblen: In jeder Krise liegt eine Chan­ce. Und sie zu sehen und zu nut­zen, ist die Auf­ga­be guter Füh­rungs­kräf­te. Ich benut­ze hier bewusst den Plu­ral, denn die Zei­ten ein­sa­mer Manage­ment-Ent­schei­dun­gen sind vor­bei. Nur wenn das Team an der Spit­ze des Unter­neh­mens zusam­men­ar­bei­tet und für­ein­an­der ein­steht, kann man die immer kom­ple­xer wer­den­den Auf­ga­ben lösen und erfolg­reich sein.

Blume: Ein gutes Bei­spiel dafür ist die Elek­tri­fi­zie­rung unse­rer Fahr­zeu­ge. Bei Por­sche haben wir schon 2015 und damit frü­her als man­che Wett­be­wer­ber die Ent­schei­dung für die Elek­tro­mo­bi­li­tät getrof­fen. Das brauch­te eine gute Por­ti­on Mut. Heute wis­sen wir, dass der Tay­can ein vol­ler Erfolg ist. Unser Mut wurde belohnt. Und jetzt bauen wir auf die­sen Erfolg wei­ter auf. In die­sem Jahr kom­men die zwei­te Gene­ra­ti­on des Tay­can und der voll­elek­tri­sche Macan zu den Kun­din­nen und Kun­den. Unse­re Pro­dukt­stra­te­gie ist dar­auf aus­ge­rich­tet, in 2030 mehr als 80 Pro­zent voll­elek­tri­sche Fahr­zeu­ge aus­lie­fern zu kön­nen – abhän­gig von der Kun­den­nach­fra­ge und von der Ent­wick­lung der Elek­tro­mo­bi­li­tät in den Weltregionen.

Das klingt kämpferisch. Aber was für Auswirkungen hat der Wandel der Antriebstechnologie denn auf den Standort Deutschland? Ist unsere Vorzeigeindustrie gefährdet?

Blume: Nein. Auch da bin ich Opti­mist. Die deut­sche Auto­mo­bil­bran­che ist in vie­len Berei­chen welt­weit füh­rend. In den nächs­ten fünf Jah­ren wird sich die Indus­trie aber mehr ver­än­dern als in den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren ins­ge­samt. Unse­re Chan­cen, als Gewin­ner aus die­ser Trans­for­ma­ti­on her­vor­zu­ge­hen, ste­hen gut. Wir haben in Deutsch­land im glo­ba­len Wett­be­werb viele Trümp­fe auf der Hand: qua­li­fi­zier­te und moti­vier­te Men­schen in unse­ren Unter­neh­men, das Sys­tem der dua­len Berufs­aus­bil­dung, hoch ange­se­he­ne Uni­ver­si­tä­ten, For­schungs­ein­rich­tun­gen mit Welt­ruhm. Die Inno­va­ti­ons­kraft unse­res Lan­des ist unge­bro­chen. Der Erfin­dungs­reich­tum unse­rer Unter­neh­men ist abzu­le­sen an der Viel­zahl ihrer Paten­te. Der Pio­nier­geist ist seit jeher ein deut­sches Erfolgs­re­zept, geprägt von gro­ßer Erfah­rung und Qua­li­tät unse­rer Industrien.

Weiblen: Diese posi­ti­ve Sicht auf die Welt gefällt mir. Denn auch wenn es in der Dis­kus­si­on manch­mal anders erscheint, so ist Euro­pa gera­de beim Auto längst nicht von China abge­hängt. Klar: Das Ren­nen ist här­ter gewor­den. Und auch das Tempo ist gestie­gen, allein schon wegen der Größe Chi­nas: Dort gibt es mehr Men­schen, mehr Stu­di­en­ab­gän­ger. Wir in Euro­pa müs­sen ein­fach unse­re Res­sour­cen bes­ser nut­zen – und natür­lich auch ver­su­chen, die bes­ten Talen­te welt­weit für uns zu gewin­nen. Als glo­ba­les Bera­tungs­un­ter­neh­men fällt uns das leich­ter als ande­ren. Aber auch uns würde es hel­fen, wenn Deutsch­land attrak­ti­ver für hoch qua­li­fi­zier­te Zuwan­de­rer wäre. In unse­rem Team sind mehr als 30 Natio­na­li­tä­ten ver­tre­ten. Ich fand es groß­ar­tig, Oli­ver, als Du in Wolfs­burg bei einer Kund­ge­bung gegen Aus­gren­zung und Hass und für ein bes­se­res Mit­ein­an­der auf der Bühne gestan­den hast. Es ist wich­tig, Flag­ge zu zei­gen und nicht nur zu meckern. Demo­kra­tie und gesell­schaft­li­cher Zusam­men­halt leben vom Mitmachen.

Blume: Der Auf­tritt bei der Kund­ge­bung in Wolfs­burg war mir eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit. Auch Mana­ger müs­sen aktiv wer­den, wenn es um das gute Zusam­men­le­ben in unse­rer Gesell­schaft geht. Wer die­ser Tage nach Deutsch­land schaut, der sieht ein Land in Bewe­gung. Viele gehen auf die Stra­ße, um Hal­tung zu zei­gen – für Demo­kra­tie, Zusam­men­halt und Frei­heit. Es ist ihnen ein Anlie­gen, Posi­ti­on zu bezie­hen und sich zu enga­gie­ren. Sie wol­len mit­ma­chen in einer Debat­te, die um ganz Wesent­li­ches, ganz Grund­sätz­li­ches geht: unser Zusam­men­le­ben. Es geht um unser Zuhau­se, um unser Land, um unse­re Gemein­schaft. Genau­so zei­gen wir Hal­tung: Wir tre­ten ein für Demo­kra­tie und Frei­heit. Für Viel­falt und Offen­heit. Für Respekt und Tole­ranz. Gemein­sam mit ande­ren ste­hen wir ein für all das, was unser Land in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten stark gemacht hat – und wei­ter­hin stark machen soll.

„Entscheidend ist es, die eigenen Stärken auszuspielen, mit einer zukunftsgerichteten Strategie global zu agieren, regional zu handeln und in Chancen zu denken“, sagt Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG und der Volkswagen AG.Porsche AG

Und es geht um die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Blume: Wir ste­hen fest zum Indus­trie­stand­ort Deutsch­land, inves­tie­ren in unse­re Unter­neh­mens­stand­or­te und sichern damit Arbeits­plät­ze. Ent­schei­dend ist es, die eige­nen Stär­ken aus­zu­spie­len, mit einer zukunfts­ge­rich­te­ten Stra­te­gie glo­bal zu agie­ren, regio­nal zu han­deln und in Chan­cen zu den­ken. Was wir brau­chen, sind noch bes­se­re for­schungs- und indus­trie­freund­li­che Rah­men­be­din­gun­gen. Ins­be­son­de­re die Trans­for­ma­ti­on der Auto­mo­bil­in­dus­trie ist eine Gemein­schafts­auf­ga­be von Wirt­schaft, Poli­tik und Gesell­schaft. Ins­ge­samt ver­harrt Deutsch­land noch zu sehr in gewohn­ten Struk­tu­ren. Mit attrak­ti­ven För­der­ku­lis­sen für Arbeits­plät­ze, Steu­er­ein­nah­men und Wohl­stand kön­nen wir unse­ren Stand­ort wie­der nach vorn brin­gen. Wich­tig ist, dass wir uns fokus­sie­ren und Tempo machen.

Sie haben den internationalen Wettbewerb angesprochen. Wie beurteilen Sie beide die Abschottungstendenzen, die wir derzeit vielerorts erleben?

Weiblen: Neh­men Sie das Bei­spiel Halb­lei­ter: In kom­ple­xen Chips, wie sie auch in Autos ver­baut wer­den, ste­cken bis zu 1.200 Arbeits­schrit­te vom Roh­stoff bis zum fer­ti­gen Pro­dukt. Die Ein­zel­tei­le und Mate­ria­li­en über­que­ren bis zu 70 Län­der­gren­zen und pen­deln teil­wei­se mehr­fach zwi­schen Euro­pa und Asien. Sol­che hoch­tech­ni­schen Pro­duk­te las­sen sich längst nicht mehr „lokal“ her­stel­len. Kein Land der Welt kann das völ­lig eigen­stän­dig stem­men. Nicht ein­mal die USA und auch nicht China. Hoch­leis­tungs­chips sind glo­ba­le Pro­duk­te. Inso­fern sind auch die gera­de sehr moder­nen Gedan­ken­spie­le zur Aut­ar­kie, die es in vie­len Staa­ten gibt, Augen­wi­sche­rei. Je erfolg­rei­cher Unter­neh­men und Wirt­schaft als Gan­zes wer­den, desto stär­ker ver­netzt und, ja, auch abhän­gi­ger sind wir voneinander.

Was also tun?

Blume: Letzt­lich geht es darum, Per­spek­ti­ven auf­zu­zei­gen und Ori­en­tie­rung zu geben. Wir müs­sen uns in Deutsch­land jetzt auf die rich­ti­gen The­men kon­zen­trie­ren. Auf die Zukunfts­the­men. Wir müs­sen stra­te­gisch ent­schei­den, wel­che Tech­no­lo­gie­fel­der wir künf­tig in unse­rem Land beset­zen wol­len: Halb­lei­ter, Soft­ware, Autos, Che­mie, Medi­zin- und Bat­te­rie­tech­no­lo­gien. Erneu­er­ba­re Ener­gien natür­lich. Nach­hal­tig­keit ist eine der wich­tigs­ten Ver­ant­wor­tun­gen unse­rer Zeit.

Produkte bestehen nicht nur aus Materialien, sondern benötigen auch Arbeitskraft. Sehen Sie beide da Probleme, angesichts einer alternden Gesellschaft und Stichworten wie „Work-Life-Balance“ und „Generation Z“?

Blume: Ich habe das Glück, ein Unter­neh­men zu lei­ten, das immer gro­ßen Wert auf die Qua­li­fi­ka­ti­on sei­ner Mit­ar­bei­ten­den gelegt hat – übri­gens an allen Stand­or­ten, nicht nur in Deutsch­land. Wer lebens­lang lernt, kann auch in höhe­rem Alter noch hoch qua­li­fi­zier­te Tätig­kei­ten aus­üben. Und in der Pro­duk­ti­on haben wir kon­se­quent in die Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen inves­tiert und alle gefähr­li­chen, gesund­heits­schäd­li­chen und kör­per­lich anstren­gen­den Arbei­ten abge­schafft oder stark auto­ma­ti­siert. Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt.

Weiblen: Dass es zwi­schen den Gene­ra­tio­nen Rei­bung gibt und sich Ansprü­che ver­än­dern, ist etwas ganz Nor­ma­les. Auch ich habe mit mei­nen Eltern viel dis­ku­tiert und dabei meine eige­ne Ein­stel­lung zu Arbeit und Erfolg gefun­den. Abge­se­hen davon hat sich bei der Gesund­heit der Men­schen etwas ver­bes­sert. Vor 100 Jah­ren war ein 50-jäh­ri­ger Arbei­ter oft nicht mehr fit, fühl­te sich als „alter Mann“. Das würde kein moder­ner 50-Jäh­ri­ger mehr von sich behaup­ten. Die heute 50-Jäh­ri­gen sehen sich eher in der Blüte ihres Lebens. Und das ist gut so. Dass Men­schen älter wer­den, ist auch eine Folge des Fort­schritts in Medi­zin und Tech­no­lo­gie. Das kann man auch als Erfolg sehen.

Trotzdem gibt es in der Gesellschaft in Deutschland viel Kritik. Gerade von jungen Menschen, denen ihre Zukunft angesichts des Klimawandels große Sorgen bereitet.

Weiblen: Für die Ängs­te der jun­gen Gene­ra­ti­on habe ich Ver­ständ­nis. Wir haben die Ver­pflich­tung, ihr eine bes­se­re Welt zu hin­ter­las­sen. Die Bekämp­fung des Kli­ma­wan­dels kos­tet Geld. Dazu kom­men Kos­ten auf­grund des demo­gra­fi­schen Wan­dels, für den Erhalt und Aus­bau von Infra­struk­tur, für die Ertüch­ti­gung der Streit­kräf­te und die Inte­gra­ti­on der Migran­ten – um nur ein paar Bei­spie­le zu nen­nen. Diese Auf­ga­ben kön­nen nur gemein­sam bewäl­tigt wer­den. Jede Gene­ra­ti­on muss ihren Bei­trag dazu leis­ten. Wich­tig ist, dass wir Inno­va­ti­ons­kraft und Pro­duk­ti­vi­tät deut­lich stei­gern. Nur so kön­nen die not­wen­di­gen Inves­ti­tio­nen finan­ziert wer­den. Die Geschich­te hat gezeigt, dass der tech­no­lo­gi­sche Fort­schritt im posi­ti­ven Sinne immer neue Kräf­te frei­setzt. Noch nie hat­ten wir so viele For­scher und Ent­wick­ler. Täg­lich ent­steht Neues. Wir müs­sen nur dafür sor­gen, dass aus der For­schungs­ar­beit auch markt­fä­hi­ge Pro­duk­te ent­ste­hen. Das stimmt mich gera­de im Hin­blick auf unse­re Zukunft zuversichtlich.

Blume: Unser aller Auf­ga­be ist es, die Welt für künf­ti­ge Gene­ra­tio­nen lebens­wert zu erhal­ten. Wir bei Por­sche ver­ste­hen Nach­hal­tig­keit ganz­heit­lich: öko­no­misch, öko­lo­gisch und sozi­al. Für uns bedeu­tet das: Öko­no­mi­scher Erfolg, öko­lo­gi­sches Bewusst­sein und sozia­le Ver­ant­wor­tung ergän­zen sich. Hier­für steht die Elek­tri­fi­zie­rung unse­rer Fahr­zeug­pa­let­te. Zusätz­lich arbei­ten wir bei Por­sche auf eine bilan­zi­ell CO₂-neu­tra­le Wert­schöp­fungs­ket­te unse­rer neu pro­du­zier­ten Fahr­zeu­ge im Jahr 2030 hin. Im Volks­wa­gen-Kon­zern erar­bei­ten und opti­mie­ren wir gemein­sam mit Part­ner­fir­men Ver­fah­ren zum Recy­cling von Hoch­volt­bat­te­rien. Diese ent­hal­ten große Men­gen wert­vol­ler Roh­stof­fe, die wir wie­der- und wei­ter­ver­wen­den wollen.

Sie setzen auf Technologie bei der Lösung der Klimaprobleme?

Blume: Ich bin über­zeugt, dass der intel­li­gen­te Ein­satz von Tech­no­lo­gie der beste Weg ist. Elek­tro­mo­bi­li­tät ist die Zukunft. Ich bin ein gro­ßer Fan. Und wir den­ken Kli­ma­schutz ganz­heit­lich. Des­we­gen set­zen wir auf ein dop­pel­tes E: Elek­tro­mo­bi­li­tät und ergän­zend E‑Fuels. Dank rege­ne­ra­ti­ver, syn­the­ti­scher Kraft­stof­fe kön­nen Otto­mo­to­ren poten­zi­ell nahe­zu CO₂-neu­tral betrie­ben wer­den. Dabei den­ken wir auch an die Bestands­flot­te, die Fahr­zeu­ge, die heute und in den kom­men­den Jah­ren noch mit Ver­bren­nern fah­ren. Auf den Stra­ßen sind rund 1,3 Mil­li­ar­den Bestands­fahr­zeu­ge mit Ver­bren­nungs­mo­tor unter­wegs. Viele davon noch lange. Als Bei­mi­schung im Kraft­stoff kön­nen E‑Fuels den CO₂-Aus­stoß sen­ken. Die Ent­wick­lung treibt Por­sche als ein Pio­nier voran: In einer Pilot­an­la­ge in Chile zei­gen wir gemein­sam mit Part­nern, wie die Pro­duk­ti­on im Indus­trie­maß­stab funk­tio­nie­ren kann.

Solche Technologien sind teuer: Können wir uns das als Gesellschaft leisten?

Weiblen: Es geht hier eher um die Frage der Prio­ri­tä­ten­set­zung: Wir kön­nen nicht alles machen, son­dern müs­sen in die rich­ti­gen The­men inves­tie­ren. Als jemand, der viel reist, wün­sche ich mir zum Bei­spiel ein euro­päi­sches Hoch­ge­schwin­dig­keits-Eisen­bahn­netz, das die Inno­va­ti­ons­zen­tren mit­ein­an­der ver­bin­det. Oder eine funk­tio­nie­ren­de Was­ser­stoff-Infra­struk­tur, die unse­re Indus­trie zuver­läs­sig und nach­hal­tig mit Ener­gie ver­sorgt. Wenn wir in die rich­ti­gen Tech­no­lo­gien inves­tie­ren, gibt es Wachstum.

Blume: Das Bild von Wachs­tum durch Tech­no­lo­gien, die der Erd­er­wär­mung ent­ge­gen­wir­ken, passt für mich. Hier wol­len wir vorn mit dabei sein. Por­sche steht für Pio­nier­geist und Sport­lich­keit. Der Kern von Por­sche sind unse­re Pro­duk­te. Wir ver­bin­den darin unse­re ein­zig­ar­ti­ge Heri­ta­ge mit moderns­ten Tech­no­lo­gien. Inno­va­tiv. Nach­hal­tig. Exklu­siv. Mit jedem Fahr­zeug erfül­len wir Kun­din­nen und Kun­den einen Traum.

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