Mobilität

Was uns bewegt
Mobilität im Wandel

Leere Bahnhöfe und Flughäfen, Stopp der Automobilproduktion – die Corona-Pandemie brachte den Mobilitätssektor vielerorts zum Halten. CEOs führender Mobilitätsunternehmen blicken nach vorn.

09/2020

Die Mobilität war schon vor der Corona-Pandemie im Wandel, doch durch die Krise nimmt dieser weiter an Fahrt auf: Richtung Zukunft. Umdenken ist angesagt. Mario Wagner 

Die Coro­na-Pan­de­mie sorg­te für einen weit­ge­hen­den Still­stand von Flug­zeu­gen und Kreuz­fahrt­schif­fen. Züge, Stra­ßen­bah­nen und Busse hiel­ten den Betrieb oft auf­recht – mit deut­lich weni­ger Fahr­gäs­ten und auf­wen­di­gen Abstands­kon­zep­ten. Auto­mo­bil­her­stel­ler und Zulie­fe­rer wur­den von unter­bro­che­nen Lie­fer­ket­ten zu Pro­duk­ti­ons­pau­sen gezwun­gen. Im Por­sche Con­sul­ting Maga­zin berich­ten Unter­neh­mens­chefs von ihrem Umgang mit der schwie­ri­gen Lage und ihren Erwar­tun­gen für die Zukunft.

Marcopolo: Mobilität als System neu denken

James Bellini, CEO Marcopolo Group Marcopolo

„Da wir Fer­ti­gungs­stät­ten in acht Län­dern betrei­ben und unse­re Pro­duk­te in rund vier­zig Län­der expor­tie­ren, bestand für uns wäh­rend der Pan­de­mie die größ­te Her­aus­for­de­rung darin, unser unter­neh­me­ri­sches Han­deln an die neuen Gege­ben­hei­ten anzu­pas­sen. In den betrof­fe­nen Län­dern erreich­te die Pan­de­mie ihren Höhe­punkt zu unter­schied­li­chen Zei­ten, sodass wir gezwun­gen waren, sowohl bei uns in Bra­si­li­en als auch im Aus­land den Betrieb der meis­ten Werke vor­über­ge­hend ein­zu­stel­len. Wir hat­ten das Jahr 2020 als das erfolg­reichs­te in unse­rer Unter­neh­mens­ge­schich­te anvi­siert und woll­ten neue Arbeits­plät­ze schaf­fen, statt­des­sen muss­ten wir einen Teil unse­rer Beleg­schaft in den Zwangs­ur­laub schi­cken, Geschäfts­rei­sen strei­chen und Gehäl­ter kür­zen. Per­sön­lich bestand eine wei­te­re Her­aus­for­de­rung darin, die Füh­rungs­kräf­te des Unter­neh­mens auf die neuen Umstän­de ein­zu­stel­len, das ist uns glück­li­cher­wei­se gelun­gen.

Als Reak­ti­on auf die schwie­ri­ge Lage wurde die Pro­duk­ti­on zeit­lich gestreckt und die Auf­merk­sam­keit zügig auf zwei wesent­li­che Aspek­te gerich­tet: Kos­ten und Liqui­di­tät zum einen, zum ande­ren die Ent­wick­lung und Errich­tung der Platt­form ‚Mar­co­po­lo Bio­Safe‘, um unse­ren Kun­den einen infek­ti­ons­si­che­ren Betrieb ihrer Fahr­zeu­ge zu ermög­li­chen. Die Platt­form umfasst Bio­si­cher­heits­lö­sun­gen, die für einen bes­se­ren Schutz der öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel vor einer Kon­ta­mi­na­ti­on mit Viren und Bak­te­ri­en sor­gen sowie das Ver­trau­en der Fahr­gäs­te in hygie­nisch siche­res Rei­sen wie­der­her­stel­len sol­len.

Doch auch unab­hän­gig von der Pan­de­mie ist die Mobi­li­tät über­all auf der Welt einem tief grei­fen­den Wan­del unter­wor­fen. In den Groß­städ­ten steht der öffent­li­che Ver­kehr kurz vor dem Zusam­men­bruch; es ist not­wen­dig, die Ver­kehrs­sys­te­me zu über­den­ken und neue Mög­lich­kei­ten für die Pla­nung des städ­ti­schen Raums und der Fort­be­we­gung der Men­schen darin zu fin­den. Des­halb haben wir im ver­gan­ge­nen Jahr den Geschäfts­be­reich ‚Mar­co­po­lo Next‘ ein­ge­rich­tet, der im Ein­klang mit unse­rem ‚Stra­te­gie­plan 2025‘ inno­va­ti­ve Lösun­gen für die Mobi­li­tät der Zukunft ent­wi­ckeln soll. Wir betrach­ten Mobi­li­tät als ein Sys­tem geprägt von Stadt- und Ver­kehrs­pla­nung und mit dem Augen­merk auf unter­schied­li­che Ver­kehrs­mit­tel – also nicht nur auf den Bus, der ja unser Kern­ge­schäft dar­stellt. Unse­rer Über­zeu­gung nach kön­nen wir  den  ange­streb­ten Wan­del unse­rer Bran­che errei­chen – indem die Wett­be­werbs­fä­hig­keit und Nach­hal­tig­keit aller Betei­lig­ter steigt und der öffent­li­che Ver­kehr schnel­ler, siche­rer und kom­for­ta­bler wird.“

Die Marcopolo Group …

… ist einer der weltweit größten Hersteller von Omnibussen und Oberleitungsbussen. Der in Brasilien beheimatete Konzern fertigt mit 14.000 Beschäftigten in 15 Produktionsstätten in Brasilien sowie in weiteren, über die fünf Kontinente verteilten Ländern Aufbauten und Innenausstattungen für diverse Busmarken und Busmodelle unterschiedlicher Größe, die im Fern-, Nah- und Stadtverkehr zum Einsatz kommen. Im Jahr 2019 erwirtschaftete Marcopolo ein Unternehmensergebnis von 790 Millionen US-Dollar.

ÖPNV: Extremer Rückgang der Fahrgastzahlen, Verkehrswende weiter im Fokus

Leipziger Verkehrsbetriebe: Verkehrswende weiter voranbringen

Ulf Middelberg, Sprecher der Geschäftsführung der Leipziger Verkehrsbetriebe Porsche Consulting/Marco Prosch

„Die Pan­de­mie trifft die Wirt­schaft und gera­de die Mobi­li­täts­bran­che hart. Nach­dem wir als Mobi­li­täts­dienst­leis­ter einen extre­men Nach­fra­ge­rück­gang von 75 Pro­zent erle­ben muss­ten, haben wir gleich­zei­tig unse­re Ver­ant­wor­tung wahr­ge­nom­men: Um den öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr wei­ter für die Men­schen in sen­si­blen Insti­tu­tio­nen sicher zu stel­len, haben wir unser Ange­bot ange­passt. Um unse­re Mit­ar­bei­ten­den zu schüt­zen, muss­ten geeig­ne­te Maß­nah­men getrof­fen wer­den. Gleich­zei­tig zeig­ten unse­re Kun­din­nen und Kun­den ein hohes Maß an Soli­da­ri­tät, was mir per­sön­lich sehr viel Mut gemacht hat. Wie alle Unter­neh­men ste­hen wir nun vor der Her­aus­for­de­rung uns in die­ser Neuen Rea­li­tät neu zu ori­en­tie­ren.

Dies als Chan­ce zu nut­zen, ist unser Ziel. Dazu gehört die nach­fra­gori­en­tier­te Ange­bots­an­pas­sung und das Ziel, Ver­trau­en zurück zu gewin­nen. Als Bran­che haben wir des­we­gen die Kam­pa­gne #Bes­serWei­ter gestar­tet. Hier ste­hen vor allem Mit­ar­bei­ten­de im Fokus, ohne deren Enga­ge­ment und Zuver­sicht die Krise nicht zu meis­tern wäre. Denn die Auf­ga­ben der Zukunft blei­ben wei­ter­hin bestehen: Wir wol­len die Ver­kehrs­wen­de in Deutsch­land vor­an­brin­gen und der öffent­li­che Per­so­nen­nah­ver­kehr ist eine der Ant­wor­ten und Lösun­gen für eine kli­ma­freund­li­che Mobi­li­tät und ein lebens­wer­tes Deutsch­land.“

Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) …

sind der Mobilitätsdienstleister für Leipzig und die Region – seit mehr als 140 Jahren tragen sie zur Entwicklung der Stadt im Osten Deutschlands bei. Mit jährlich über 152,5 Mio. Fahrgästen und einem engmaschigen Netz aus 13 Straßenbahnen und 46 Buslinien gehören sie zu den größten deutschen Verkehrsunternehmen. Über eine App sowie 26 Mobilitätsstationen an stark frequentierten Haltestellen verknüpft die LVB Straßenbahn und Bus mit Bike- und Carsharing sowie Taxi. Das Unternehmen setzt Elektrofahrzeuge ein und bietet zusätzlich die Möglichkeit, Elektroautos aufzuladen.  

Kölner Verkehrs-Betriebe: Vertrauen der Fahrgäste zurückgewinnen

Stefanie Haaks, Vorsitzende des Vorstandes Kölner Verkehrs-Betriebe AG Christoph Seelbach

„Die Coro­na-Pan­de­mie hat mas­si­ve Aus­wir­kun­gen auf unse­ren Betrieb. Die Fahr­gast­zah­len sind zeit­wei­se dra­ma­tisch ein­ge­bro­chen. Sie lie­gen inzwi­schen wie­der bei 50 bis 60 Pro­zent im Durch­schnitt, auf eini­gen Lini­en etwas höher, aber wir sind noch weit von einem Nor­mal­zu­stand ent­fernt. Es war eine abso­lu­te Her­aus­for­de­rung für die ganze Beleg­schaft, sich auf diese Aus­nah­me­si­tua­ti­on ein­zu­stel­len, aber wir haben es geschafft, Köln in der Kri­sen­zeit mobil zu hal­ten.

Unser vor­ran­gi­ges Ziel – neben der Auf­recht­erhal­tung des Betriebs – war und ist ein größt­mög­li­cher Gesund­heits­schutz sowohl für unse­re Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter als auch für unse­re Fahr­gäs­te: zum Bei­spiel durch den Ein­bau von Schutz­fo­li­en für unse­re Bus­fah­rer, die Ver­tei­lung von Des­in­fek­ti­ons­mit­teln und Mas­ken an die Kol­le­gen, die zusätz­li­che Rei­ni­gung und Des­in­fek­ti­on von Fahr­zeu­gen, die Aus­ga­be von Mas­ken an unse­re Fahr­gäs­te, die Kon­trol­le der Mas­ken­pflicht und vie­les mehr. Wir erle­ben, dass der über­wie­gen­de Teil der Fahr­gäs­te sehr ver­ant­wor­tungs­be­wusst mit die­ser schwie­ri­gen Situa­ti­on umgeht.

Die große Her­aus­for­de­rung wird sein, das Ver­trau­en der Men­schen zurück­zu­ge­win­nen, dass sie beden­ken­los wie­der mit Bus und Bahn fah­ren kön­nen. Der ÖPNV ist laut diver­sen Stu­di­en sicher, da gilt es jetzt u. a. auf­zu­klä­ren. Ein Bau­stein dazu ist die große bun­des­wei­te Öffent­lich­keits-Kam­pa­gne #Bes­serWei­ter, wel­che Bund, Län­der, kom­mu­na­le Spit­zen­ver­bän­de und wir Ver­kehrs­un­ter­neh­men im Ver­band Deut­scher Ver­kehrs­un­ter­neh­men jetzt gemein­sam gestar­tet haben. Aber es wird natür­lich auch darum gehen, die mas­si­ven wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Pan­de­mie zu meis­tern, unter denen die gesam­te Bran­che lei­det. Und wir müs­sen die Bedeu­tung des ÖPNV für Luft­rein­hal­tung und Kli­ma­schutz wie­der stär­ker in den Focus rücken, damit die drin­gend not­wen­di­ge Ver­kehrs­wen­de gelingt.“

Die Kölner Verkehrs-Betriebe …

… sorgen mit mehr als 700 Fahrzeugen auf 12 Bahnlinien und 69 Buslinien für den Öffentlichen Personennahverkehr in Köln und dem Umland. 2019 erreichte das Unternehmen einen Fahrgastrekord mit 286 Millionen beförderten Personen. Das Liniennetz in der Metropole am Rhein umfasst 700 Kilometer Bus- und Bahnstrecke. Dazu kommen 1.500 Leihfarräder.

DB Station&Service: Investitionen in Bahnhöfe als Wohlfühlorte

Bernd Koch, Vorstandsvorsitzender DB Station&Service AG Philipp von Recklinghausen

„Wir bei der DB sind froh, dass wie­der mehr Men­schen mit der Bahn unter­wegs sind. Damit sich alle Rei­sen­den an unse­ren Bahn­hö­fen wohl und sicher füh­len, fokus­sie­ren wir aktu­ell auf Hygie­ne, Sau­ber­keit und Abstand. Wir haben kurz­fris­tig unse­re Rei­ni­gungs­in­ter­val­le erhöht, über­all wei­sen Moni­to­re, Ansa­gen und Pla­ka­te auf rich­ti­ges Ver­hal­ten hin, Ple­xi­glas schützt Mit­ar­bei­ter und Kun­den. Zudem tes­ten wir inno­va­ti­ve Ver­fah­ren, so des­in­fi­zie­ren wir Hand­läu­fe an Roll­trep­pen mit­tels UV-a-Licht. Alle Mit­ar­bei­ten­den im Kun­den­kon­takt tra­gen Maske. Mit unse­rer kon­zern­wei­ten Kam­pa­gne „Sicher rei­sen. Gemein­sam geht das.“ zei­gen wir unse­ren Fahr­gäs­ten, dass siche­res Bahn­fah­ren auch in die­sen schwie­ri­gen Zei­ten mög­lich ist, wenn alle an einem Strang zie­hen. Zusam­men arbei­ten wir daran, mehr Ver­kehr auf die Schie­ne zu ver­la­gern, um so den Weg zur Ver­kehrs­wen­de kon­se­quent wei­ter zu gehen.“

Die DB Station&Service AG …

… betreibt, baut und entwickelt Bahnhöfe in Deutschland. An 5.400 Bahnhöfen empfängt sie täglich rund 21 Millionen Reisende und Besucher und ermöglicht 400.000 Zughalte von 120 Bahnunternehmen. Allein 2019 investierte das Unternehmen mit 6.000 Mitarbeitern rund 1,3 Milliarden Euro in Bau- und Modernisierung der Verkehrsstationen.

Automobilindustrie: Noch schnellere Veränderung der Branche erwartet

Coroplast: Wiederentdeckung des Individualverkehrs

Natalie Mekelburger, Vorsitzende der Geschäftsführung von Coroplast Coroplast Group

„Wir haben spe­zi­ell in den Mona­ten April und Mai mas­si­ve Umsatz­rück­gän­ge erlebt von bis zu 80 % in ein­zel­nen Geschäfts­be­rei­chen. Seit Juni macht sich aber der Wie­der­an­lauf der auto­mo­bi­len Lie­fer­ket­te auch bei uns posi­tiv bemerk­bar. Per­sön­lich habe ich in unse­ren täg­li­chen Task Force-Mee­tings eine star­ke Fokus­sie­rung auf das Wesent­li­che erlebt, einen unbe­ding­ten Wil­len zur Zusam­men­ar­beit und schnel­le Fort­schrit­te bei der Nut­zung digi­ta­ler Kom­mu­ni­ka­ti­on und Kol­la­bo­ra­ti­on.

Wir haben uns zunächst einen Über­blick ver­schafft und dann auf jeden Stand­ort zuge­schnit­te­ne Maß­nah­men ergrif­fen. Dabei ging es in ers­ter Linie um Liqui­di­täts­si­che­rung und Kos­ten­sen­kung, aber wir haben auch unse­re Stra­te­gie über­dacht und diese wo nötig ange­passt. Eine Schwie­rig­keit war dabei, wie unter­schied­lich die Staa­ten auf die Pan­de­mie reagier­ten. Wäh­rend es in den USA und Euro­pa Zuschüs­se zu Löh­nen und Gehäl­tern gibt, die Pro­duk­ti­on aber wei­ter­lau­fen kann, wur­den etwa in Mexi­ko die Fabri­ken geschlos­sen bei gleich­zei­ti­gem Zwang zur Lohn­zah­lung.

Ich gehe nicht davon aus, dass die Stück­zah­len der Auto­in­dus­trie so bald wie­der das Niveau der ver­gan­ge­nen Jahre errei­chen auch auf­grund poli­ti­scher Vor­ga­ben. Ich denke aber, der Indi­vi­du­al­ver­kehr wird wie­der­ent­deckt wer­den als die fle­xi­bels­te Art der Fort­be­we­gung – und die sichers­te. Dafür spre­chen auch Ent­wick­lun­gen beim auto­no­men Fah­ren. Wenn sich die Grund­stim­mung für unse­re hoch­in­no­va­ti­ve Bran­che wie­der erholt, wird die deut­sche Auto­mo­bil­in­dus­trie mit ihren Kern­kom­pe­ten­zen Welt­markt­füh­rer blei­ben und in der Soft­ware­ent­wick­lung nicht nur auf­ho­len, son­dern viel­leicht sogar füh­rend wer­den. Wich­tig ist aber, dass wir uns als Gesell­schaft hier nicht selbst ampu­tie­ren, indem wir die Auto­mo­bil­in­dus­trie zu sehr mit Vor­ga­ben und Ein­grif­fen belas­ten.“

Die Coroplast Group …

… ist ein weltweit erfolgreiches Familienunternehmen, das technische Klebebänder, Kabel und Leitungen sowie Leitungssätze für die Automobilindustrie entwickelt und produziert. Das Unternehmen mit Stamm- und Hauptsitz in Wuppertal im Westen Deutschlands hat internationale Tochtergesellschaften und Produktionsstätten in Polen, China, Tunesien, den USA, Mexiko und Moldawien sowie Service-Center in aller Welt. Insgesamt beschäftigt Coroplast rund 7.000 Mitarbeiter weltweit. 2019 lag der Umsatz bei rund 540 Millionen Euro.

Mahle: Wandel zu nachhaltiger Mobilität beschleunigt

Jörg Stratmann, CEO und Vorsitzender der Mahle Konzern-Geschäftsführung Mahle GmbH

„Wir befin­den uns gera­de in einer ech­ten Extrem­si­tua­ti­on – nicht nur wirt­schaft­lich, son­dern auch in huma­ner Hin­sicht. Unse­re zwei Prio­ri­tä­ten sind, unse­re Beleg­schaft an den knapp 180 Mahle-Stand­or­ten welt­weit best­mög­lich gegen eine Infek­ti­on am Arbeits­platz zu schüt­zen und Mahle als Unter­neh­men sicher durch diese Krise zu steu­ern. Ich bin sehr glück­lich dar­über, wie unse­re Mit­ar­bei­ten­den mit der Situa­ti­on umge­hen. Trotz der Belas­tun­gen sehen wir gro­ßes Enga­ge­ment und Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein, auch im gesell­schaft­li­chen Kon­text. Das gibt mir Zuver­sicht und Kraft.

Die beson­de­re Her­aus­for­de­rung die­ser Pan­de­mie ist, dass sie zeit­ver­setzt und in unter­schied­li­cher Inten­si­tät in den Regio­nen ver­läuft. Somit müs­sen wir unse­re Maß­nah­men fort­lau­fend neu jus­tie­ren und die Kapa­zi­tä­ten an unse­ren Stand­or­ten fle­xi­bel anpas­sen. Bis­lang ist uns das sehr gut gelun­gen. Wir sind unse­ren Kun­den gegen­über lie­fer­fä­hig geblie­ben.

Wir gehen davon aus, dass es viele Jahre dau­ern wird, bis unse­re Geschäf­te wie­der auf Vor­kri­sen­ni­veau kom­men wer­den. Dar­auf stel­len wir uns aktu­ell ein. Gleich­zei­tig arbei­ten wir hart daran, mit den rich­ti­gen Pro­duk­ten auch in Zukunft der star­ke Tech­no­lo­gie­part­ner für unse­re Kun­den zu sein. Die Bran­che wird sich durch Coro­na noch schnel­ler ver­än­dern. Ich bin aber davon über­zeugt, dass sie den Wan­del trotz die­ser gro­ßen Belas­tung meis­tern und mit trag­fä­hi­gen Lösun­gen für eine nach­hal­ti­ge Mobi­li­tät ihren Bei­trag zur Errei­chung der Kli­ma­schutz­zie­le leis­ten wird.“

Mahle …

… ist ein international führender Entwicklungspartner und Zulieferer der Automobilindustrie. Der Technologie-Konzern hat den Anspruch, die Mobilität der Zukunft aktiv mitzugestalten, indem er den Verbrennungsmotor weiter optimiert, die Nutzung alternativer Kraftstoffe vorantreibt und gleichzeitig das Fundament für die flächendeckende Einführung der Elektromobilität und anderer alternativer Antriebe, zum Beispiel der Brennstoffzelle, legt. Das Produktportfolio deckt alle wichtigen Bereiche entlang des Antriebsstrangs und der Klimatechnik ab. Mahle hat im Jahr 2019 einen Umsatz von rund 12,0 Milliarden Euro erwirtschaftet und ist mit mehr als 77.000 Mitarbeitern an 160 Produktionsstandorten und 16 großen Forschungs- und Entwicklungszentren in mehr als 30 Ländern vertreten.

Knorr-Bremse: Krisenerprobte Modelle der Zusammenarbeit

Bernd Spies, Vorsitzender der Geschäftsführung der Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Enno Kapitza

„Beim Aus­bruch der Coro­na-Pan­de­mie waren prak­tisch über Nacht die Werke der meis­ten Kun­den nicht mehr in Betrieb und somit auch keine Kun­den­an­sprech­part­ner mehr da, um die Abruf­si­tua­ti­on zu klä­ren. Teil­wei­se muss­ten Lkw mit Ware wie­der umdre­hen, da nie­mand zur Abnah­me vor Ort war. So eine Situa­ti­on hatte ich per­sön­lich noch nie erlebt. Es muss­ten schnell Metho­den im Umgang mit der neuen Situa­ti­on defi­niert wer­den. Wir sind dann rasch in eine Art Not­be­trieb über­ge­gan­gen und haben nur noch pro­du­ziert, wo der Abruf gesi­chert war. Durch unse­re her­vor­ra­gen­den Kun­den­be­zie­hun­gen und mit­hil­fe von Online-Mee­tings konn­ten wir dann aber zügig alle not­wen­di­gen Maß­nah­men erfolg­reich über Län­der- und Regio­nen­gren­zen hin­weg umset­zen.

Der per­sön­li­che Schutz unse­rer Mit­ar­bei­ter stand bei unse­ren Maß­nah­men stets an ers­ter Stel­le. Bereits bei den ers­ten Anzei­chen der Krise haben wir die AHA-Regeln ein­ge­führt – Abstand, Hygie­ne und All­tags­mas­ken. Durch die Umstel­lung der Schich­ten in den Wer­ken, einen Teamsplit in den Over­head-Berei­chen und vie­len wei­te­ren Maß­nah­men bis hin zu täg­lich mehr­fa­chen Des­in­fek­tio­nen in den wich­tigs­ten Berei­chen wurde ein umfas­sen­der Schutz sicher­ge­stellt.

Ich habe die Hoff­nung, dass der wirt­schaft­li­che Rück­gang nur tem­po­rär sein wird, damit wich­ti­ge Zukunfts­pro­jek­te, wie die E‑Mobility und das Auto­ma­ti­sier­te Fah­ren, nicht zu stark in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wer­den. Gleich­zei­tig hoffe ich auch, dass die jetzt kri­sen­er­prob­ten Model­le der Zusam­men­ar­beit, wie vir­tu­el­les und mobi­les Arbei­ten, auch in einem gesun­den Maß wei­ter bestehen blei­ben. Und natür­lich hoffe ich, bald unse­re Kun­den wie­der per­sön­lich tref­fen zu kön­nen.“

Knorr-Bremse …

… ist Weltmarktführer für Brems- und weitere Systeme für die Schienen- und Nutzfahrzeugbranche mit über 6,9 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2019. Mit 29.000 Mitarbeitern an über hundert Standorten in mehr als 30 Ländern leistet das Unternehmen mit Hauptsitz in München einen Beitrag zu mehr Sicherheit, Effizienz und Zuverlässigkeit auf Schiene und Straße.

Würth: Angst ist kein guter Begleiter in Krisen

Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe Frank Blümler

„Die Würth-Grup­pe ist vor dem Hin­ter­grund der welt­wei­ten Pan­de­mie mit der sta­bi­len Ent­wick­lung im ers­ten Halb­jahr sehr zufrie­den. Ein Umsatz­rück­gang inner­halb der Würth-Grup­pe von 3,1 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jahr und in Deutsch­land fast das Umsatz­ni­veau aus dem Vor­jahr zu errei­chen, unter­streicht dies. Auf­grund der Sys­tem­re­le­vanz des Hand­werks und des bereits in den letz­ten Jah­ren erfolg­ten Auf­baus der digi­ta­len Infra­struk­tur in unse­ren Bestell- und Lie­fer­kon­zep­ten waren wir zu jeder Zeit lie­fer­fä­hig und hat­ten keine Eng­päs­se.

Meine per­sön­li­che Erkennt­nis aus den Anfän­gen der Coro­na-Pan­de­mie war, dass Medi­en – mit den Wor­ten von Peter Wei­bel, Lei­ter des Zen­trums für Kunst und Medi­en in Karls­ru­he – wie Echo­räu­me sind, die das Tat­säch­li­che noch stei­gern. Dies schlägt auf die Stim­mung und Angst ist kein guter Beglei­ter in Kri­sen. Des­halb habe ich ver­sucht mir den Opti­mis­mus und den Glau­ben an die Kraft unse­res Unter­neh­mens zu bewah­ren. Wich­tig war auch der Glau­be an die Kraft der Kom­mu­ni­ka­ti­on, dies hat sich in den letz­ten Mona­ten bewährt.

Durch die ver­schie­de­nen Bran­chen und Geschäfts­fel­der haben wir eine hohe Hand­lungs­fä­hig­keit und Agi­li­tät was uns kurz­fris­ti­ges Reagie­ren auf Markt­rends oder Ver­än­de­run­gen wie Coro­na jeder­zeit ermög­licht. Durch unse­ren gerin­gen Markt­an­teil sind unse­re Wachs­tums­chan­cen noch enorm, so dass ich guter Dinge bin, dass wir in den nächs­ten 10 Jah­ren wach­sen und wei­ter Markt­an­tei­le gewin­nen wer­den. Mit unse­rer Unter­neh­mens­stra­te­gie und der Erfah­rung aus der aktu­el­len Pan­de­mie bin ich zuver­sicht­lich, dass wir auch künf­ti­ge Kri­sen gut bewäl­ti­gen.“

Die Würth-Gruppe …

… ist Weltmarktführer im Vertrieb von Montage- und Befestigungsmaterial, mit Hauptsitz in Künzelsau in Süddeutschland. Sie besteht aus über 400 Gesellschaften in mehr als 80 Ländern und beschäftigt über 78.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon sind über 33.000 fest angestellte Verkäufer im Außendienst. Im Kerngeschäft, der Würth-Linie, umfasst das Verkaufsprogramm für Handwerk und Industrie über 125.000 Produkte: von Schrauben, Schraubenzubehör und Dübeln über Werkzeuge bis hin zu chemisch-technischen Produkten und Arbeitsschutz.

Silvercar: Neue Chancen im Fokus

Matt Carpenter, CEO Silvercar Inc.
Matt Carpenter, CEO Silvercar Inc.PR/Silvercar

„Covid-19 hat in jedem ame­ri­ka­ni­schen Unter­neh­men Spu­ren hin­ter­las­sen, so auch bei unse­ren Mar­ken Sil­ver­car by Audi – unse­rem Mobi­li­täts­ser­vice – und Dea­lerwa­re – unse­rer Platt­form für hoch­mo­der­nes Flot­ten­ma­nage­ment. Bei unse­ren Miet­wa­gen­sta­tio­nen an Flug­hä­fen sank die Nach­fra­ge deut­lich, wäh­rend inner­halb der Städ­te ein star­ker Zuwachs sicht­bar wurde. Dass auch der Bedarf für digi­ta­le Lösun­gen jetzt höher als sonst ist, zeigt sich bei unse­rer Händ­ler­platt­form Dea­lerwa­re. Die Kom­bi­na­ti­on aus stei­gen­der Nach­fra­ge bei inner­städ­ti­schen Leih­wa­gen, als Ersatz für die öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel, und der plötz­li­che Bedarf an kon­takt­lo­sen Ange­bo­ten stellt für unser Unter­neh­men eine Rie­sen­chan­ce dar.

Neue Chan­cen zu ergrei­fen steht bei uns schon immer im Fokus. Wir haben für eine neue Ver­mark­tungs­stra­te­gie die Stär­ken von Sil­ver­car und Dea­lerwa­re zusam­men­ge­führt und konn­ten dadurch die Erfah­run­gen aus dem Ver­mie­tungs­ge­schäft für den Fahr­zeug­han­del nutz­bar machen. Das Ziel ist eine ein­zi­ge Ober­flä­che unse­rer Platt­form, über die sämt­li­che Anwen­dungs­fäl­le der Ver­trags­händ­ler gesteu­ert wer­den kön­nen – egal, ob es um einen Ersatz­wa­gen, einen Miet­wa­gen, einen Test­wa­gen oder ein Abon­ne­ment­fahr­zeug geht. Vom Erfolg die­ser neuen Ver­mark­tungs­stra­te­gie und unse­rer Fähig­keit zur Umset­zung sind wir über­zeugt.

Fahr­zeug­her­stel­ler und Händ­ler sehen den Markt jeweils mit ande­ren Augen. Wir haben in den ver­gan­ge­nen sechs Mona­ten eine stär­ke­re Ver­än­de­rung sowohl in der Aus­rich­tung von Stra­te­gie­plä­nen als auch in den Köp­fen von Ent­schei­dern erlebt, als wir für die kom­men­den Jahre erwar­tet hat­ten. Ich denke, der Markt für Mobi­li­tät wird wei­ter wach­sen, aber die Anzahl der Fahr­zeug­ei­gen­tü­mer wird sin­ken. Für die nächs­ten zehn Jahre sehe ich einen Zuwachs an ver­netz­ten Fahr­zeug­flot­ten, die als Aus­gangs­punkt für Mobi­li­täts­pro­duk­te und Ser­vice­leis­tun­gen der Flot­ten­be­trei­ber den Markt bestim­men wer­den. Es gibt allen Grund für die Fahr­zeug­her­stel­ler, ihren Kun­den Mobi­li­täts­lö­sun­gen auf Tages‑, Wochen- oder Monats­ba­sis anzu­bie­ten. Viele Händ­ler haben bereits die not­wen­di­gen Vor­aus­set­zun­gen geschaf­fen, um fle­xi­ble Mobi­li­täts­kon­zep­te zu ermög­li­chen – mit ent­spre­chen­den Flot­ten, Stand­or­ten und geschul­tem Per­so­nal, um her­aus­ra­gen­de Kun­den­er­leb­nis­se zu schaf­fen. Ich hoffe, dass sich die Bran­che im Inter­es­se der neuen Kun­den­nach­fra­ge mutig an neue Ver­mark­tungs­kon­zep­te wagt.“

Silvercar Inc. …

… ebnet den Weg für die Mobilität der Zukunft im Automobilbereich. Die Plattform des Unternehmens vernetzt Fahrzeuge, Kunden und Händler. Sie reduziert Kosten und die Komplexität im Management von Fahrzeugflotten, und sie bietet Kunden außergewöhnliche Mobilitätserlebnisse. Silvercar Inc. unterhält in den USA gegenwärtig mehr als 30.000 Fahrzeuge von 26 Herstellermarken.

Porsche: Zusammenhalt und das Wesentliche im Blick 

Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG PR/Porsche AG

„Es ist unser Anspruch, die Krise sys­te­ma­tisch und ver­ant­wor­tungs­voll zu mana­gen. Dazu gehört, dass wir sehr früh reagiert haben. Gleich nach­dem das Corona­virus in China sicht­bar wurde, setz­ten wir bei Por­sche einen Exper­ten­kreis ein. Die­ser beur­teilt die Lage rund um die Uhr. Etli­che Ent­schei­dun­gen wur­den hier getrof­fen. Höchs­te Prio­ri­tät hat dabei stets der Schutz unse­rer Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter. Wir machen keine Kom­pro­mis­se. Die Gesund­heit aller liegt uns am Her­zen.

Wir woll­ten die Pro­duk­ti­on zunächst nur für zwei Wochen ruhen las­sen. Am Ende wur­den sechs Wochen dar­aus. Ursa­che waren Eng­päs­se in den glo­ba­len Lie­fer­ket­ten. Doch das tat rich­tig weh. Aber wir las­sen uns nicht beir­ren: Wir schau­en nach vorne und wol­len nach der Krise so schnell wie mög­lich wie­der Voll­gas geben. Ich sehe für die Zukunft von Por­sche große Chan­cen: Wir hat­ten in den zurück­lie­gen­den Jah­ren eine rie­si­ge Pro­dukt­of­fen­si­ve, dar­un­ter Ende 2019 der Taycan. Das ist ein her­vor­ra­gen­des Fun­da­ment, auf das wir bauen kön­nen.

Der Opti­mis­mus, mit dem so viele um mich herum jetzt ans Werk gehen, macht mich zuver­sicht­lich. Alle haben das Wesent­li­che im Blick, alle hal­ten zusam­men. Und gera­de in Pha­sen wie die­sen ent­ste­hen bei Men­schen Träu­me und Bedürf­nis­se. Der Bedarf an Sport­wa­gen ist nach der Krise viel­leicht sogar höher als vor­her, das wäre zumin­dest mein Wunsch.“


Weniger Flugreisen, mehr Qualität

Por­sche Con­sul­ting hat Rei­sen­de aus Deutsch­land im Mai 2020 reprä­sen­ta­tiv befragt. Die Ergeb­nis­se zei­gen: Die Zei­ten, in denen der Preis im Fokus stand, könn­ten vor­bei sein.

Flugreisen
Jeder Zweite verzichtet

Welche Flüge sind wirklich notwendig? Das fragen sich Geschäftsreisende und Touristen. 50 Prozent wollen geplante Reisen streichen, ergab unsere Umfrage. 

Flugreisen

50 % der Deutschen verzichten auf geplante Flugreisen. Im Detail: 4 % streichen wenige Flüge, 5 % verzichten auf die Hälfte, 4 % auf den größten Teil und 37 % stornieren alles. Bei unvermeidbaren Reisen heißt es: Umsteigen auf Auto oder Bahn.

Spaßfaktor
Der Reiz ist weg

Bei Urlaub und Kurztrips hat das Umdenken vieler Touristen fatale Folgen: Das schnelle Flugzeug hat seinen Reiz verloren, besonders deutlich bei Frauen.

Spaßfaktor

Wer künftig auf Flüge verzichtet, fängt laut Umfrage beim Urlaub an: 57 Prozent sagen die komplette Urlaubsreise ab oder nutzen andere Verkehrsmittel (Frauen: 65 %, Männer 50 %). Auch die vor der Pandemie noch so beliebten günstigen Flugtickets für Wochenend-Ausflüge sind nun deutlich weniger gefragt. 

Kostenfaktor
Qualität darf etwas kosten

Höherer Schutz der Gesundheit, mehr Platz und Service statt unangenehmer Massenabfertigung – dafür würden viele Fluggäste inzwischen Aufpreise zahlen.

Kostenfaktor

66 % der befragten Fluggäste würden einen Aufpreis für gründliche Reinigung und Desinfektion der Kabine vor jedem Flug zahlen. 61 % würden sich größere Sitzreihenabstände etwas kosten lassen und 57 % Aufschläge für einen freien Nachbarsitz akzeptieren. 12 % lehnen solche Mehrkosten generell ab.

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